Produktion der Plaisiranstalt!

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Anna Stöcher

© Anna Stöcher

Wolf!

»Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.«

Mark Twain

Einer ruft: Wolf!

War da ein Wolf? Oder war es nur eine Lüge?

Aber warum sollte jemand Wolf rufen, wenn da gar kein Wolf ist? Warum sollte er den anderen Angst machen, wenn alles in Ordnung ist? Was hätte er davon?

Und was ist, wenn niemand ihm glaubt, und da ist wirklich ein Wolf?

Auch wenn keiner ihn sieht.

Was ist wahr?

Manchmal sind Wahrheit und Lüge nicht so klar voneinander zu unterscheiden. Gibt es die Wahrheit? Gibt es eine Wahrheit? Oder mehrere? Und wer bestimmt, was wahr ist? Was kann man heutzutage noch glauben? Wem kann man heutzutage noch glauben?

Behauptungen werden zur Wahrheit. Die Wahrheit wird zur Behauptung.

Und wir schauen dumm aus der Wäsche.

Bestimmen wir selbst, was wahr ist und was nicht!

Eine Koproduktion der Plaisiranstalt mit Theater praesent
Uraufführung
Schauspiel
ungefähr 50 Minuten Spielzeit
ab 8 und für alle

Team: Paola Aguilera, Raoul Biltgen, Sven Kaschte, Natalja Kreil, Barbara Schubert

Vorstellungen



Zurück

Fotos

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Barbara Palffy

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Anna Stöcher

Sven Kaschte | Wolf! | Plaisiranstalt | © Anna Stöcher

Presse

Kurier, 20.09.2019

Wolf oder nicht Wolf – ist das die Frage?!

Auf so witzige Art wurde die Frage Fake News oder Fakten wohl noch nie verhandelt. „Wolf!“ im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Fake News oder Fakten? Wahrheit oder Lüge? Ein ernstes Thema, fast allgegenwärtig – in politisch brisanten Zeiten aber auch im (multimedialen) Alltag. So witzig, spritzig und doch treffgenau wie in „Wolf!“, das zur Saisoneröffnung im Dschungel Wien Premiere hatte, wurden diese Fragen wohl noch nie thematisiert.
Der Solodarsteller auf der Bühne, Sven Kaschte (Autor: Raoul Biltgen, Regie: Paola Aguilera) spielt einen Influencer, YouTube-Star mit Auszeit auf einer Alm, um beim Schafe-hüten einen neuen Song zu schaffen. Natürlich leidet er darunter, kaum Handyempfang, geschweige denn brauchbare Internetverbindung zu haben. Der Freiraum, den er sich für neue Kreativität erhofft hatte, wird eher zu lähmender Langeweile. Ha, da könnte er doch den Bauern im Tal einen Prank spielen, wie Streiche „neudeutsch“ heißen. „Woooolllllfffff!“ mit dem Angstruf scheucht er die Bauern auf. Ätsch reingefallen.

Soweit die Grundgeschichte, die Anleihe nimmt bei einer Fabel des altgriechischen Dichters Äsop vom Hirtenbuben und dem Wolf. Aus der Story ergeben sich die eingangs gestellten Grundfragen. In enger Verbindung damit steht auch das Spielen mit Ängsten – wofür nicht zuletzt Wölfe als DIE Metapher stehen. Allerdings gar nicht in allen Kulturen. In anderen stehen Wölfe eher für Macht, Stärke oder auch familiäre Fürsorge.

Und was ist nun wahr?

Kaschte spielt aber nicht nur sich ein wenig selbst auf die Schaufel nehmend den YouTuber Ä$op und einen der Bauern oder einem Wischmop, den er liebevoll zum Schaf macht, mit der er – mangels anderer Gespräschpartner_innen – redet. Er spielt aber auch mit Klischees – samt aktueller Anspielungen – rund um Wölfe, die mehr Angst vor Menschen als umgekehrt haben müssen. Diese haben auch schon das Theatermusical „Grimm! – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ von Peter und Thomas Zaufke (im Grazer Next Liberty und dem Wiener Theater der Jugend) thematisiert.
Dieses aktuelle Stück, das  der Wiener Plaisieranstalt und des Innsbrucker Theaters praesent versucht immer wieder auch das Publikum einzubeziehen – u.a. mit der Live-Tonaufnahme von Chören aus dem Publikum, zu denen Kaschte es mitreißend ermuntert. Die Aufnahmen spielt er dann bei Gelegenheit ab.
Zuguterletzt „outet“ sich der Darsteller als „nur“ Schauspieler, der einfach den Text auswendig gelernt hat. Also auch wieder gelogen. Oder?!
Übrigens: Im Programmzettel wird Mark Twain zitiert: „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.“


Tanz.at, 20.09.2019

15 Jahre Dschungel Wien

von Edith Perez
Mit zwei Premieren eröffnete der Dschungel Wien seine 15. Saison: „Wolf!“ der Plaisiranstalt ist eine intelligente Parabel auf Wahrheit und Lüge für Menschen ab 8 – und ein Bravourstück für den Schauspieler Sven Kaschte. Ab 13 sollte „Was ihr Wollt“ von Dschungel Wien & Divercitylab geeignet sein. Fragwürdig, angesichts des Klamauktheaters, das versucht Shakespeares‘ Komödie ins Social-Media-Zeitalter zu verlegen.

„Wolf!“

Was ist wahr? Was ist gelogen? Was ist ein Schmäh? Der Text von Raoul Biltgen geht dieser Frage in einer raffinierten Struktur der Wendungen und Richtungsänderungen nach. Die einfache Geschichte eines You-Tube-Bloggers in der ländlichen Idylle von Alm, Schafen und Bauern wird unter reger Mitwirkung vom Publikum zu einem Vexierbild unterschiedlicher Realitäten. Etwa eine Stunde lang ist Sven Kaschte gefordert – spricht Hochdeutsch, bayerischen Dialekt und Anglosprech, rockt, rappt (naja …), ist jedenfalls mit seinem Publikum ständig in Kontakt (Regie: Paola Aguilera) und reißt es mit.
Irgendwann macht sich leichte Irritation breit, wenn der Witz scheinbar auf Kosten vom Wolf stattfindet. Muss ausgerechnet dieser beinahe ausgerottete Waldbewohner für Späßchen herhalten? Da gäbe es sicher noch ein paar Minuten zu kürzen, um den Rhythmus zu halten. Doch bald dreht sich der Spieß wieder um und die Show selbst bzw. der You-Tuber und Selbstdarsteller Ä$op (sic!), wird in Frage gestellt, bevor am Ende das Ganze noch einmal in die andere Richtung kippt.
Man kann freilich darüber diskutieren, ob man die Aufforderung im Programmheft, nämlich selbst zu bestimmen, was wahr ist und was nicht, wirklich unterstützen sollte. Einerseits. Andererseits ist „Wolf!“ so erfrischend, weil es eben nicht moralisierend oder belehrend daherkommt, sondern in einer unterhaltsamen Show ein Thema anschneidet, dem man sich einfach widmen muss. Immer und immer wieder.

(…)


Tiroler Tageszeitung, 27.9.2019

„Wolf!“: Wo sich der Spaß aufhört

Der Wolf geht um. Und mit dem Wolf die Angst. Obwohl, die Angst war schon vorher da. Und mit der Angst kann man spielen. Man kann sie füttern. Um gewählt zu werden. Oder aus Spaß. Wenn man „Wolf!“ schreit, obwohl gar keiner da ist, zum Beispiel. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Aber was kann man heutzutage noch glauben? Der Grat zwischen Fakt und Fake ist schmal. Raoul Biltgens Stück „Wolf!“ thematisiert drängende Fragen. Als Koproduktion der Wiener Plaisieranstalt und von Theater Praesent ist es derzeit in Innsbruck zu sehen.
Der tolle Sven Kaschte spielt einen an Äsop orientierten Fabulierer. Dieser Äsop treibt online Späße. Und führt vor, wo sich der Spaß aufhört. Lustig ist das von Paola Aguilera inszenierte Kinderstück (ab 8 Jahren) auch für Erwachsene. Und lehrreich ist es allemal. (jole)


Falter 40, 2019

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Einmal laut schreien dürfen, das ist doch ein guter Anfang. Aber Vorsicht: Wer „Wolf!“ schreit, sollte auch einen bösen Wolf vorzuweisen haben, sonst glaubt ihm bald keiner mehr. Oder doch? Die Gruppe Plaisiranstalt schickt Sven Kaschte allein auf die Bühne, um diese Fragen zu erörtern. Dabei gibt es viel zu lachen, wie wenn dieser Onkel auf Besuch kommt, der immer Faxen macht. Kaschte spielt sich einen Wolf: Er erzählt, unterstützt von Videos, Loopstation und Requisitenschlacht, wie er sich als Kind in Wald und Zoo (nicht) fürchtete oder dass er als Schäfer/Youtuber arbeitet. Am Ende wird klar, worauf die witzige Lecture-Performance hinauswill: Glaub nicht immer allen alles. Ab acht Jahren.

Martin Pesl

Zurück