      |
Phalli
Spielzeit
2009/2010

Pressereaktionen
Der
Standard
Mit
runtergelassener Hose
von Dorian Waller | 26. März 2010, 21:17
Im Wiener TAG verspricht das Stück "Phalli" überfällige
Aufklärungsarbeit zu leisten. Geboten wird dann aber noch einiges
mehr
Glied, Penis, Schwanz oder gar Zauberstab, es gibt viele Worte für
das, was gerne auch als des Mannes bestes Stück bezeichnet
wird. Das Theater an der Gumpendorfer Straße widmet dem Schniedel
nun einen ganzen Abend. In Phalli soll jede falsche Schamhaftigkeit
über Bord geworfen und endlich einmal Tacheles geredet werden.
So zumindest die Prämisse, wenn Autor Raoul Biltgen mit Christian
Himmelbauer und Sven Kaschte die Bühne betritt. Die drei erzählen
auch gleich frisch von der Prostata weg, was ihnen alles zu Beschaffenheit
und Funktionsweise ihrer Zumpfis einfällt. Dabei erfährt
man zwar in aufgeklärten Zeiten wie diesen kaum Neues, amüsant
ist der pubertäre Matrazenlager-Smalltalk aber freilich schon.
Zudem hält die Zuseher natürlich die Frage bei der Stange,
ob und wann die Akteure auch im nonverbalen Sinne auspacken.
Bis es dazu kommt, sind aber schon einige erste verstörende
Aussagen gefallen. Langsam wird klar, dass es hier um etwas ganz
anderes als poppigen Aufklärungsunterricht geht. In den Biografien
der vermeintlich sympathischen jungen Herren tauchen mehr und mehr
Risse auf, ist von etwas zu freizügigen Eltern und immer gewalttätigeren
Sexerlebnissen die Rede - bis sich die drei Freunde endgültig
als völlig unreflektierte Ungustln entpuppen, aus denen die
geballte Misogynie herausbricht. So bleibt dem Publikum das Lachen
zusehends im Halse stecken, und auch für die drei Aufklärer
endet der Abend schließlich anders, als sie es sich vorgestellt
haben.
Nach ambivalenten und durchwegs kurzweiligen 50 Minuten bieten die
Schauspieler dem Publikum zudem noch eine offene Fragerunde an.
Eine schöne Idee, die regen Zuspruch findet und einen interessanten
Theaterabend noch ein paar Zentimeter stärker macht. (Dorian
Waller, DER STANDARD, Printausgabe 27.3./28.3.2010)
Kulturfokus.at
Juliane Auerböck
Am 24.
März 2010 war im TAG die Premiere von “Phalli”.
Drei Männer, drei Schwänze und KulturFokus-Redaktrice
Juliane Auerböck war dabei . Hier ihr Bericht über ein
sehr außergewöhnliches Stück.
Der Penis, oder auch Phallus genannt, ist in nahezu jeder Kultur
das stärkste Zeichen für Männlichkeit. Einerseits
ist es sehr verwunderlich, dass fast jeder ein anderes Wort dafür
verwendet wie z.B. Pimmel, Schniedelwutz, Pipimann, Schwanz, Lustspender,
Alimentekabel, bestes Stück usw. Andrerseits auch wieder nicht,
denn es ist eine Wort-Entstehung, da viele das Wort Penis als abfällig
finden.
In dem Stück „Phalli“ gehen drei Männer –
Raoul Biltgen, Christian Himmelbauer und Sven Kaschte – in
anregenden Gesprächen der Frage nach, worin die sexuelle Freiheit
besteht, welche Vorstellungen von Sexualität jeder einzelne
hat und was genau man mit seinem Penis ausleben will oder kann.
Jeder erzählt seine verrückten und skurrilen Erlebnisse
mit seinem besten Stück. Da gibt es Schreckliches, Schönes,
Sehnsüchtiges, Ängstliches und natürlich Lust und
Leidenschaft.
Es ist eine Art öffentliches Verführen. Das Publikum darf
dabei sein, wenn die Protagonisten ihre Figuren immer komplexer
entwickeln und sich nach und nach entblößen. Sie machen
transparent was Männer wirklich begehren und verleihen den
Anstrich des Natürlichen und Normalen. Man hat das Gefühl,
es wäre eine ins Metaphysische überlappende Lehrveranstaltung
für Verhaltensforscher.
Eine Meisterleistung der Plaisieranstalt und doch eines der merkwürdigsten
Performances, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ein amüsantes
und überzeugendes Stück im wahrsten Sinne des Wortes,
dessen Text und Handlung sehr eindrucksvoll sind, so dass die 60
Minuten wie im Fluge vergehen.
Sehr empfehlenswert!

|
      |